Meisterschaftsgipfel in Magdeburg

 

Festung Mark – Spielstätte Eingang

von Kristin Braun. Vom 25.05. bis 02.06. fand in Magdeburg erstmals seit 90 Jahren wieder ein deutscher Meisterschaftsgipfel statt. Im Rahmen dieses Events wurden hauptsächlich die Deutschen Meisterschaften und die German Masters, ein Rundenturnier mit vielen Spitzenspielern Deutschlands, ausgetragen. Außerdem waren am ersten Wochenende die Deutsche Blitzmeisterschaft und am letzten Wochenende noch die Deutsche Amateurmeisterschaft (ehemals Ramada-Cup) und die Deutsche Pokalmeisterschaft.

In allen Turnieren war der Schachbund vertreten. Als Nummer 1 der Setzliste bei den German Masters der Damen startete Hanna Marie Klek, während Eduard Miller (beide SC Erlangen) sich durch seine Vizemeisterschaft im letzten Jahr für die German Masters der Herren qualifizierte. Bei den Deutschen Meisterschaften wollten Lukas Schulz (SC Erlangen), Reiner Heimrath (NT Nürnberg), Katharina Mehling (SpVgg Stetten) und Kristin Braun (SC Jäklechemie) die bayerischen Flaggen hochhalten. (Oder doch besser die Fränkischen? 😉)

Bevor die Teilnehmer der beiden Meisterschaften anreisten, fanden am Samstag die Blitzmeisterschaften statt. Hier konnte bei den Damen vor allem Melina Siegl (SW Nürnberg Süd) überzeugen. Nach einigen Anfangsniederlagen kam sie grandios ins Turnier zurück und konnte die letzten neun Runden am Stück gewinnen. In der Endabrechnung bedeutet das 13.5 von 21 Punkten und Platz 9. Die weiteren bayerischen Teilnehmer waren Olga Birkholz (SG Augsburg, 12 Punkte, Platz 13) und Karina Hofmann (SK Weiden, 6 Punkte, Platz 21).

Bei den Männern erreichte Thomas Kirchner (NT Nürnberg) mit 12.5/29 Punkten den 22. Platz, Manfred Heidrich (SC Forchheim) erreichte 8 Punkte und Platz 29.

Nach dem Turnier wurden im Rahmen der allgemeinen Eröffnungsfeier die Sieger der Blitzturniere geehrt. Die (ehemaligen) National- und Kaderspieler Marta Michna und Rainer Buhmann konnten die Meisterschaften für sich entscheiden. Daraufhin wurden die Startnummern für die German Masters ausgelost. Hanna und Eduard erwischten leider kein glückliches Händchen und zogen beide die Startnummer 5, was Doppelschwarz in den ersten beiden Runden bedeutet. Nachdem noch die Paarungen für die erste Runde der Deutschen Meisterschaften ausgelost waren, gab es dann ein Buffet und Getränke auf Kosten des Deutschen Schachbunds – was will man mehr? 😊

Spielstätte Festung Mark von innen

Am nächsten Tag ging es dann mit den Meisterschaften los. Die Runden der German Masters beginnen (mit Ausnahme der letzten Runde) täglich um 16 Uhr, die Deutschen Meisterschaften haben zusätzlich noch zwei Vormittagsrunden um 9.30 Uhr. Der im Gegensatz zu den vorherigen Meisterschaften sehr späte Rundenbeginn war einer der größten Kritikpunkte an der Organisation.

Gespielt wurde in der Festung Mark, einer alten Verteidigungsanlage. Die beiden Deutschen Meisterschaften spielten zusammen mit den German Masters in einem der kleineren Teile des Gebäudes, wodurch es allgemein an den Brettern und auch in den Gängen sehr eng wurde. Davon abgesehen bietet die Festung mit den alten Gewölben aber ein durchaus ansehnliches Ambiente.

Ab Mittwochabend wurde es in der Festung dann voller, als die Teilnehmer des Pokals und der DSAM anreisten. Auch hier waren einige bayerische Teilnehmer vertreten. Zu diesem Zeitpunkt waren bei den German Masters schon 4 Runden gespielt. Hanna liegt mit einem Sieg und zwei Remis in einem sehr ausgeglichenen Turnier (die Nummer 1 und 8 der Setzliste trennen nur 98 ELO-Punkte) im Mittelfeld. Eduard, der bei den Männern als klarer Außenseiter gestartet ist, konnte bereits zwei Remis verbuchen. Damit hat er das Ziel, nicht ohne Punkte nach Hause zu fahren schon erfüllt. 😊

Auch die Deutschen Meisterschaften hatten schon mehr als die Hälfte des Turnieres hinter sich. Die Teilnehmer hatten hier einen durchwachsenen Start. Katharina musste in der ersten Runde gleich gegen die Favoritin Marta Michna spielen – und verlor unglücklich. Davon konnte sie sich allerdings schnell erholen und liegt mit 3.5 Punkten aus 5 Runden aktuell auf Platz 3. Reiner (1.5 Punkte, Platz 27), Lukas (2 Punkte, Platz 24) und Kristin (2 Punkte, Platz 15) sind in der zweiten Hälfte des jeweiligen Feldes zu finden, wollen sich aber noch nach oben kämpfen.

In den letzten Runden heißt es also für alle nochmal Gas geben. Durch die parallel stattfindenden Turniere wurde man auf jeden Fall durch zahlreiche Kiebitze zusätzlich angespornt. Viel hat man von deren Partien allerdings nicht mitbekommen, da die etwa 300 Teilnehmer in einem anderen Teil des Gebäudes gespielt haben.

Katharina Mehling – 4. Siegerin der Fraueneinzelmeisterschaft

Eduard konnte in den letzten drei Runden noch ein Remis gegen die deutsche Nummer 1 Liviu-Dieter Nisipeanu holen. Drei Remis aus sieben Partien gegen die deutsche Spitze können sich auf jeden Fall sehen lassen, auch wenn (laut eigener Aussage) in manchen Partien noch mehr drin gewesen wäre. Bei Hanna war am Ende leider die Luft raus, auch sie konnte nur noch ein weiteres Remis holen, das aber immerhin gegen die spätere Siegerin Ketino Kachiani-Gersinska. Damit stehen am Ende 2.5 Punkte auf ihrem Konto.

Bei den Meisterschaften konnte sich Kristin mit einem kleinen Endspurt noch ins Mittelfeld vorarbeiten, sie steht am Ende mit 4.5 Punkten auf Platz 9. Lukas und Reiner hatten nach der achten Runde beide 3.5 Punkte gesammelt und mussten dadurch in der letzten Runde gegeneinander spielen. In einer spannenden Partie konnte Lukas sich schließlich durchsetzen und beendet das Turnier auf Platz 18, Reiner landete auf Platz 27.

Katharina stand vor der Runde auf Platz 5 – mit einem Sieg in der letzten Runde war vielleicht, je nach Ergebnissen der Konkurrentinnen, noch ein besserer Platz drin. Das ließ sie sich nicht zweimal sagen und gewann die letzte Runde verdient. Dadurch konnte sie noch einen Platz gewinnen und landete auf dem vierten Rang. Ein super Ergebnis, vor allem wenn man bedenkt, dass es ihre erste Deutsche Meisterschaft war – und mit etwas Glück sogar noch mehr drin gewesen wäre. Aber so wollen wir mal nicht sein. Herzlichen Glückwunsch, Kathi! 😊

Deutscher Meister wurde der Hamburger Niclas Huschenbeth, punktgleich mit Dimitrij Kollars. Bei den Frauen gewann Marta Michna, die schon die Blitzmeisterschaft für sich entscheiden konnte. Mal sehen, wen wir davon nächstes Jahr bei den German Masters wieder sehen werden.

Am letzten Abend wurden bei der Abschlussfeier die Sieger aller Turniere geehrt und Katharina, Hanna und Eduard konnten sich ihre Preisgelder abholen. Den symbolischen Scheck wird sich Katharina wohl an die Wand hängen, wer kann es ihr auch verübeln. 😉

Abendbuffet

Auch in der Deutschen Amateurmeisterschaft gab es einige nennenswerte bayerische Erfolge. Geehrt wurden jeweils die besten sieben Spieler einer Gruppe, sowie die beste Frau. In der Gruppe A (DWZ 2100-2299) erreichte Christian Schatz (SC Anderssen Nürnberg) den siebten Platz. Das gleiche schaffte Julian Weber (SC Erlangen) in der Gruppe F (DWZ 1200-1399). Beste Dame in der Gruppe F wurde Stefanie Birke (FC Nordhalben), sie erhält somit den Titel der Deutschen Amateurmeisterin. Den fünften Platz in der Gruppe G (DWZ 0-1199) erreichte Tizian Schwab (TV Großostheim).

Außergewöhnliche Feuershow

 

Die Meisterschaft konnte jeder bei der folgenden Abschlussgala ausklingen lassen. Nach den unterschiedlichen Siegerehrungen gab es Musik durch eine Live-Band und nach Einbruch der Dunkelheit sogar noch eine Feuershow. Da konnte man dann auch mal über das Chaos beim Buffet hinwegsehen, es ist wohl gar nicht so einfach, 400 hungrige Schachspieler zu versorgen.

Insgesamt war der Schachgipfel eine Veranstaltung, bei der wohl keiner bereuen wird, dabei gewesen zu sein. Ob er jedes Jahr in dieser Form stattfinden soll, sollten sich die Veranstalter aber nochmal überlegen. Die Qualität der Turniere, insbesondere der Meisterschaften und des Pokals, leidet offensichtlich darunter, dass sich die Turniere überschneiden.

Bericht von Kristin Braun, Bilder vom DSB

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