Interviewreihe Schulschach – Hans-Böckler-Realschule in Fürth

Ich freue mich sehr mit der Interviewreihe in die nächste Runde zu gehen. Diesmal mit Thomas Kranich, dem neuesten Schachlehrer des Jahres! Thomas Kranich leitet die Schachgruppe an der Hans-Böckler-Realschule in Fürth und spielte mit seinen Schülern dabei mehrfach um die Deutsche Schulschachmeisterschaft mit. Neben spielerischen Erfolgen auf Landes- und Bundesebene ist die Schule auch mehrfach als Deutsche Schachschule ausgezeichnet worden und trägt das Qualitätssiegels Silber. Was aber vielleicht am beeindruckendsten ist: Die Hans-Böckler-Realschule bietet seit 2014 Profilklassen Schach an, die zusätzlich zum Wahlfach Schach unter der Leitung von Thomas Kranich stehen.

Ich finde, der Inhalt der Interviewreihe gibt einem Mut, auch das eine oder andere selbst umzusetzen. Mein persönliches Ziel ist es immer noch, eine Profilklasse Schach zu etablieren, und ich hoffe, dass ich nicht die einzige Person bin, die so denkt.

 

  1. Schule / Rahmenbedingungen: Schulart, Anzahl der Schülerinnen und Schüler, Größe der Schachgruppe

Unsere Schule ist eine Realschule- und Wirtschaftsschule in Fürth. Wir haben knapp 1000 Schülerinnen und Schüler in knapp 40 Klassen. In beiden Schularten beginnen wir mit Klasse 5 (in die Wirtsschaftsschullaufbahn gibt es auch Einstiege in höhere Klassen), und enden in der Realschule mit Klasse 10, in der Wirtschaftsschule mit Klasse 10 oder 11.

 

  1. In welchem organisatorischen Rahmen findet Schach statt? (Wahlfach; AG, OGTS, Schulfach, …)

Seit langem gibt es bei uns an der Realschule Profilfächer – jedes Kind aus Klasse 5 wählt eines davon und hat in diesem Profilfach 2 Stunden Unterricht pro Woche in Klasse 5 und 6. Es gab Chor, Fußball… – und irgendwann hatte ich die Idee, auch Schach als Profilfach anzubieten. Die Schulleitung war einverstanden, so dass wir seit 2014 im Rahmen dieses Profilfaches in jedem Jahr 15 bis 20 Kinder im Profilfach Schach haben.

Außerdem bieten wir das Wahlfach Schach an – das schon seit etwa 2010, denke ich. Dort nehmen vor allem Jugendliche aus den Klassenstufen 7 bis 10 teil, hier dann von beiden Schularten. Recht oft kollidiert der Wahlfachtemin mit dem Nachmittagsunterricht einzelner Klassen, so dass nicht alle, die teilnehmen wollen, das auch können; wir arbeiten hier in der Regel mit knapp 15 Jugendlichen.

Auch in der OGTS können die Kinder Schach spielen, aber nicht im Rahmen eines Kurses.

 

  1. Wie ist Ihre Schachgruppe strukturiert (Altersspanne; Leistungsniveaus; Einsteiger / Fortgeschrittene)?

Fast alle unserer Kinder und Jugendlichen sind Einsteiger – etwa ein Drittel der Fünftklässler aus dem Profilfach hat keine Erfahrung mit Schach, die anderen haben es üblicherweise ein wenig in der Grundschule gespielt oder in der Familie. Vereinsspieler habe wir in den unteren Jahrgangsstufen nicht. Einige der älteren Spieler treten dann in einen Verein ein, das sind aber kaum 10 Prozent der Jugendlichen. Insofern arbeiten wir mit Einsteigern.

 

  1. Wie läuft eine typische Schachstunde bei Ihnen ab und welche Methoden oder Medien haben sich dabei besonders bewährt?

Da wir immer 90 Minuten zur Verfügung haben, lässt sich eine Zweiteilung in einen Theorie- und einen Praxisteil recht gut einrichten. Im Profilfach arbeiten wir viel mit Arbeitsheften, entweder mit der Stappenmethode oder mit PowerChess. Anschließend spielen wir. Da wir langsam vorgehen, spielen wir die erste „richtige“ Partie erst im Februar, März – bis dahin sind es vor allem die „kleinen Spiele“, mit denen wir uns beschäftigen. Unser erstes Turnier ist ein Räuberschachturnier, oft schaffen wir das vor Weihnachten.

Auch im Wahlfach haben wir diese Zweiteilung; und auch hier arbeiten wir mit Arbeitsheften, zumindest teilweise; der Großteil des Theorieblocks besteht aus Taktikaufgaben.

 

  1. Welche konkreten Tipps würden Sie einer Lehrkraft geben, die eine Schachgruppe neu aufbaut?

Ohne Unterstützung der Schulleitung wird das nichts (aber das ist trivial). Alles andere lässt sich irgendwie kompensieren, selbst fehlende Schacherfahrung ist kein großes Problem. Wenn Schacherfahrung vorhanden ist: einfach machen. Wenn sie fehlt: Schulschachpatentkurs besuchen, und dann einfach machen.

 

  1. Wie machen Sie Ihre Schachgruppe an der Schule sichtbar?

Im Schulhaus sind wir mit mehreren Schaukästen präsent, in denen sich vor allem die Pokale tummeln. Ein weiterer Schaukasten zeigt Ergebnisse der letzten Turniere, schultintern und extern. Im Jahresbericht der Schule erscheint immer ein mehrseitiger Beitrag über unsere Schachgruppe und ihre Aktivitäten. Die Schulturniere werden über Durchsagen, den Schaukasten und Aufsteller angekündigt und sind gut besucht. Auch auf der Homepage der Schule ist die Sachgruppe zu finden.

 

  1. Was macht Sie in Bezug auf Ihre Schachgruppe besonders zufrieden?

Die gut besuchten Schulturniere freuen uns, und die Erfolge des Schulteams in den letzten Jahren machen uns auch ein wenig stolz. Fairerweise muss man dazu sagen, dass wir in diesen Jahren einen der besten bayerischen Jugendspieler an unserer Schule hatten; das war nicht unser Verdienst, hat aber das Schulteam stärker gemacht und uns die sehr erfolgreiche Teilnahme an mehreren Deutschen Meisterschaften ermöglicht, was zeigt, dass das Team insgesamt nicht so schlecht gewesen sein kann.

 

  1. Beschreiben Sie eine Aktivität oder Maßnahme, die besonders lohnenswert war.

Schön war unsere Veranstaltung zur ersten Siegelverleihung. Attraktiv sind vor allem unsere schulinternen Teammeisterschaften (gemeint sind hier Klassenteams).

 

  1. An Ihrer Schule ist Schach nicht nur als AG oder Wahlfach, sondern in einem deutlich verbindlicheren Rahmen verankert. Wie ist es gelungen, Schach an Ihrer Schule so fest zu etablieren, und welche Argumente oder Rahmenbedingungen waren dabei gegenüber der Schulleitung besonders wichtig?

Wie schon erwähnt, haben wir Schach im Rahmen unserer Profilfächer etabliert – und der Erfolg gibt uns recht. Die notwendige Überzeugungsarbeit zur Einführung des Profilfachs Schach hielt sich in Grenzen; allgemein bekannt ist der Nutzen von Schach ja durchaus, und so fielen meine Argumente auf fruchtbaren Boden. Alles andere war dann sehr leicht – aber wie ebenfalls schon erwähnt, ist die Unterstützung durch die Schulleitung immer vorhanden, und nur dadurch ist Schach in diesem Umfang an der Schule möglich.

Optional: Welche Erfahrungen haben Sie mit Angeboten oder Rahmenbedingungen gemacht, die Mädchen den Zugang zur Schachgruppe erleichtern?

Vor allem scheint es so zu sein, dass sich Mädchen leichter tun, wenn sie Teil einer stabilen Mädchengruppe sind. Besonders der Übergang vom Profilfach zum Wahlfach ist hier schwierig. – Wenn möglich, spielen reine Mädchenteams für die Schule. Bei unseren schulinternen Teammeisterschaften ist die Bedingung, dass mindestens eine Schachspielerin im Team ist (das ist dann immer Brett 1), so dass die Jungen des Teams sich um die Mädchen bemühen müssen. Am 6.7. findet an der Pachelbel-Realschule in Nürnberg der erste „Mädchencup der Städte Nürnberg/Fürth“ statt, an dem wir natürlich teilnehmen werden.

 

Falls Sie Ideen aus den Schachinterviews selbst umsetzen, Ihre eigene Schule vorstellen oder Fragen für zukünftige Interviews vorschlagen möchten, freue ich mich auf eine E-Mail unter schulschach@bayerische-schachjugend.de.

 

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