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Deutsche Ländermeisterschaft 07. – 12.10.2026 in Duderstadt
Jedes Jahr im Herbst treten die Verbandsauswahlen gegeneinander an. Die Besten der Länder kämpfen in einem gemeinsamen Team mit Mädchen und Jungen der verschiedenen Altersklassen. An acht Brettern wird fünf Tage lang gespielt. Wegen der Überschneidung mit bayerischen Ligen und er vielen Absagen haben wir lange gezögert ein Team zu schicken. Letztendlich haben wir uns entschlossen unter der Leitung der A-Trainer Christian Schramm und Philipp Müller wieder anzutreten. Duong musste nach Runde 3 wieder abreisen und ein deutlich jüngeres Team kämpfte bis zum Schluss.

- Modus: 7 Runden Schweizer System mit Bedenkzeit pro Spieler und Partie: 90 Minuten für 40 Züge (30 Sekunden Zeitbonus pro Zug), 30 Minuten für den Rest der Partie (30 Sekunden Zeitbonus pro Zug)
Deutsche Ländermeisterschaft, 07. – 12.10.2026 (Deutsche Schachjugend)
Live-Partien: Deutsche Schachjugend

Starke Teamleistung und ein Super-Kampf zum Schluss 💪 sichert einen starken 4. Platz.
https://www.deutsche-schachjugend.de/2026/dlm/bayern/
👉 Nachfolgend der Bericht von Philipp. Vielen Dank für die tollen Eindrücke. 👍
Bayern bei der Deutschen Ländermeisterschaft 2026 in Duderstadt
Ein vierter Platz mit Comeback-Qualität
Am Ende stand Platz 4 – genau der Platz, auf dem wir nach der Startrangliste gesetzt waren. DWZ-Schnitt 2092, Nummer 4 der Setzliste. Man kann also sagen: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Aber der Weg dahin war alles andere als geradlinig, und wer nur die Tabelle liest, verpasst die eigentliche Geschichte dieses Turniers.
Zwei Siege zum Start, dann der Einbruch
Wir begannen mit zwei klaren Siegen und legten 7:1 und 5:3 Brettpunkte vor. Doch dann kam der Mittelteil: zwei Mannschaftsniederlagen und ein Unentschieden. Plötzlich drohte die Stimmung zu kippen. Erst die beiden Schlussrunden brachten uns mit 6:2 und 6:2 wieder nach oben, bis kurz hinter das Podium.
Das Teamgefüge war so gut wie schon lange nicht mehr. Das ist die wichtigste Erkenntnis dieses Turniers.
Der Quang-Faktor
Unser Brett-1-Spieler Quang Bach Duong (U19/U20) reiste nach drei Runden planmäßig ab, um für die Schachfreunde Augsburg in der 2. Bundesliga Süd zu spielen. Er hinterließ eine stabile Bilanz von 2/3 – ein Sieg und zwei Remis. Das war sportlich wertvoll, aber es kostete uns auch etwas die Balance im Team. Anschließend spielten wir quasi mit zwei U16er-Spielern statt mit je einem U20- und U16-Spieler. Ohnehin waren wir mit Zuzanna Sobczak (U13w) und Mariia Averkova (U15w) anstatt U16w und U20w sehr jung unterwegs.
In der dritten Runde gegen NRW kam alles zusammen: Wir verloren knapp, obwohl wir widrige Umstände zu verkraften hatten. Widrig war vor allem, dass der Änderungswunsch in der Aufstellung nicht fristgerecht übermittelt wurde – wir waren zu tief in den Vorbereitungsgedanken, als dass wir an diese wichtige Formalität dachten. Das ist unangenehm und darf sich nicht wiederholen, war aber kein sportliches Versagen, sondern ein organisatorischer Fehler, für den ich auch an dieser Stelle noch einmal um Entschuldigung bitten möchte.
Immerhin: Die beiden betroffenen Spieler an Brett 3 und 4 holten in diesem Kampf 1,5 Punkte. Trotzdem gab es Unruhe in der Mannschaft, und Benedikt Heller war ein weiteres Mal zum Zuschauen verdammt. Er trug es mit Fassung, startete in Runde 4 unrund ins Turnier und wurde ab dann eine große Stütze. Auf ihn komme ich gleich zurück.
Die widrigen Umstände
Unser Jüngster, Aadith Ranganathan (U10/U12), wurde nach einem Dutzend Zügen die Partie als verloren gewertet, weil er eine Digitaluhr trug. Eine unglückliche Regelauslegung, die uns zusätzlich destabilisierte. Alles kam zusammen.
Man kann solche Dinge unter den Tisch kehren. Man kann sie aber auch als das benennen, was sie waren: Rückschläge, die ein Team entweder auseinanderreißen oder zusammenschweißen. Bei uns traf Letzteres zu – Make or Break? Die Bayern sind Macher.
Die Einzelbilanz: Jeder kam auf mindestens 50 Prozent
Benedikt Huber (U17/U18/U20) kam auf solide 3,5/7. Seine beiden Siege in den Schlussrunden waren für ihn eine echte Befreiung – man konnte ihm die Erleichterung ansehen. Nach einer schwierigen Phase im Mittelfeld bewies er Nervenstärke, als es darauf ankam. Als er dem Team seine Partie vorführte, lernten wir alle eine Menge – ein netter Kerl und ein echter Gewinn für die Mannschaft, sehr instruktiv.
Vincent Blodig (U16/U18) startete gut mit 2/3 und beendete das Turnier ebenfalls mit 50 Prozent. Ursprünglich war eine Pause in Runde 2 geplant, doch dann hätte Tingrui viermal in Folge Schwarz bekommen – also wollten wir Vincent in Runde 3 aussetzen lassen, doch dann der Schock mit der nicht-platzierten Aufstellungsänderung. Also spielte er kurzerhand unvorbereitet und gewann! Vincent war nicht ganz zufrieden mit seiner Leistung, aber er spielte die meiste Zeit am komplizierten zweiten Brett.
Tingrui Shen (U13/U14) gewann mit 5,5/7 den Brettpreis als U14-Spieler. Nach seiner Schachpause kam er umso stärker zurück. Einziger Wermutstropfen: seine Zeiteinteilung – heute stand er mit über einer Stunde weniger auf der Uhr da. Er provozierte dadurch seine Gegner, doch sie knackten ihn nicht, im Gegenteil: Sie stellten eher häufig ein. Solange die Ergebnisse stimmen, sei ihm das gegönnt. Optimiert er sein Zeitmanagement, folgt zwangsläufig eine Leistungsexplosion!
Benedikt Heller (U16) kam am fünften Brett auf 2/4. Sein Bigpoint war die fünfte Runde, als er uns das 4:4 sicherte – der Wendepunkt vor unseren beiden Schlusssiegen. Nach seinem erzwungenen Zuschauen zu Turnierbeginn war das eine starke Antwort. Er darf ruhig etwas lockerer werden – die Anspannung steht ihm nicht, und das Talent hat er sowieso. Wir freuen uns auf die nächsten Turniere mit ihm.
Aadith Ranganathan (U10/U12), unser Jüngster, holte 4/7. Zwei Auftaktsiege, drei Niederlagen, zwei Endspurtsiege. Die Bilanz liest sich wild, aber sie erzählt eine klare Geschichte: Gewann Aadith, gewann Bayern. Verlor Aadith, verlor Bayern – oder remisierte einmal gegen Niedersachsen. Am wichtigsten war, dass er hinten raus auf ausreichend Schlaf kam. Über 10 Stunden Schlaf sind in dem Alter viel mehr wert als jede Vorbereitung. Das ist keine Ausrede, sondern eine Erkenntnis für die Zukunft.
Zuzanna Sobczak (U13w/U20w) kam auf 4/7 und feierte am Samstag ihren Geburtstag – und beschenkte sich mit 1,5/2 selbst. Wir hatten das Gefühl, dass sie noch ein bisschen an ihrer Verwertung feilen kann. Das ist nicht böse gemeint, im Gegenteil: Sie hatte ihre Gegnerinnen oft nahe am Abgrund, ließ sie aber wieder ins Spiel kommen oder verpasste den Finisher. Genau da liegt ihr Entwicklungspotenzial – und wenn sie das abruft, wird sie für uns noch wertvoller. Und richtig gelesen, sie kompensierte quasi 7 Jahre, sie ging im Grunde als unsere U20w-Spielerin ins Rennen. Da ist das Lernen und Lehrgeld-Zahlen eingepreist, daher ein prima Turnier für sie.
Mariia Averkova (U15w/U16w) holte 3,5/7, ebenfalls mit einem wichtigen Remis in der fünften Runde. Ähnlich wie Benedikt Heller war sie da, als Team Bayern sie mehr denn je brauchte – es drohte die dritte Niederlage am Stück. Dass sie und Benedikt in diesem Moment lieferten, spricht für ihren Charakter und für den Zusammenhalt der Mannschaft.
Isabella Artemenko (U12w), unser heutiges Geburtstagskind, beschenkte sich ebenfalls selbst mit einem Schlusssieg. Sie holte 5,5/7 Punkte wie Tingrui und verpasste den Brettpreis nur um einen halben Zähler gegen die zwei Jahre ältere Württembergerin Audrey Tu (U14w). Eine starke Leistung, die Lust auf mehr macht.
Was am Ende zählt
Jeder im Team kam auf mindestens 50 Prozent. Bis auf Quang, der nur die ersten drei Spiele vor seinem Einsatz in der 2. Bundesliga Süd bestritt, siegte jeder mindestens zwei Mal. Außer Aadith verlor niemand mehr als zwei Partien – und Aadith machte das dadurch wett, dass er die anderen vier Partien mal eben gewann und mit über 50 Prozent rausging.
Das Come-Together war ungezwungen und gut. Jeder und jede einzelne verdiente sich im Laufe des Turniers das Attribut Teamspieler. In der Endspurtphase haben wir als Team gelernt, noch genauer auf die Bedürfnisse Einzelner zu achten. Ein offenes Gespräch hat Vertrauen geschaffen und uns gezeigt, dass Support nicht immer gleich Support ist. Wir haben gelernt, dass manche Fürsorge unbeabsichtigt alte Wunden berührt, und genau das macht aufmerksames Hinhören so wertvoll.
Genau das ist der Grund, warum wir nach der Delle im Mittelteil nicht auseinandergefallen sind, sondern bis kurz hinter das Podium geklettert sind.
Platz 4 ist das, was auf dem Papier steht. Aber die Art und Weise, wie dieses Team sich zurückgekämpft hat, ist mehr wert als jede Setzliste.
Duderstadt als Gastgeber
Auch abseits der Bretter war die DLM 2026 ein Gewinn. Das Essen war lecker, das Netzwerk super – und die gemeinsamen Trainerabende mit Berlin, Sachsen, Baden und Württemberg waren eine echte Bereicherung. Der Markt in Duderstadt ist toll, und mit Spazier-, Sauna- und Sportmöglichkeiten war auch für den Ausgleich gesorgt. Duderstadt hat sich als Gastgeber von seiner besten Seite gezeigt.
Für die Geografie-Freunde: Duderstadt liegt am Dreiländereck Niedersachsen, Hessen und Thüringen und ist damit auch historisch interessant. Die ehemaligen Grenzzäune und Sicherungsanlagen im Raum Duderstadt/Teistungen sind heute über das Grenzlandmuseum Eichsfeld am ehemaligen Grenzübergang Duderstadt-Worbis authentisch erhalten und zu besichtigen.
Danke an die DSJ, insbesondere an Marco Stegner für die rundum gelungene Organisation.
Danke an meinen Trainerkollegen Christian Schramm, der unseren Berufszweig so sehr bereichert.
Für Bayern: Wir kommen wieder. Freut euch auf das nächste Jahr!


